Kleines Politiker-Phrasenwörterbuch

Einleitung, Politiker sind nicht immer leicht zu verstehen, daher hier als Hilfe eine Übersicht über bestimmte Aussagen und wie sie gemeint sind.

Foto: Werner Pfennig / Pexels

A – D

  • Alternativlos
    • Bedeutung: Ich habe keine Lust mehr zu diskutieren und mir fällt auch nichts Besseres ein.
    • Was es wirklich heißt: „Wir machen das jetzt so, bitte klatschen.“
  • Ampelregierung
    • Bedeutung: Ein Dreierbündnis, bei dem Rot und Grün dauerhaft Gas geben wollen, während Gelb ständig auf die Bremse tritt – bis am Ende alle im Stau stehen und die Passanten hupen.
  • Bauvorhaben(auch: Infrastrukturprojekt)
    • Bedeutung: Eine Baumaßnahme mit garantiert verdreifachten Kosten und Verdopplung der Bauzeit.
    • Historischer Subtext: „Niemand hat die Absicht, hier irgendetwas fertigzustellen.“
  • Cum-Ex
    • Siehe -> Erinnerungslücke.
  • Denkverbot (kein ~)
    • Bedeutung: Die sprachliche Vorbereitung der Bevölkerung auf eine extrem unpopuläre Maßnahme.
    • Was es wirklich heißt: „Es wird sehr teuer, aber wir verkaufen es als mutiges Reformexperiment.“

E – K

  • Erklärungsbedarf (auch: „Wir müssen uns besser erklären“)
    • Bedeutung: Die Diagnose nach einer verlorenen Wahl, dass der Wähler schlichtweg zu begriffsstutzig für die eigene Genialität ist.
    • Was es wirklich heißt: „Unsere Inhalte waren perfekt, wir brauchen nur buntere Social-Media-Grafiken.“
  • Erinnerungslücke
    • Bedeutung: Das biologische Wunder des spontanen Gedächisverlusts, sobald Staatsanwälte oder Untersuchungsausschüsse den Raum betreten.
    • Was es wirklich heißt: „Ich weiß es ganz genau, aber mein Anwalt hat gesagt, Schweigen verlängert meine Karriere.“
  • Grenzkontrollen
    • Bedeutung: Das plötzliche Aufstellen von Winken-und-Durchwinken-Posten an der Grenze.
    • Was es wirklich heißt: „Wir haben zwar kein neues Gesamtziel, aber die Bilder in den Abendnachrichten sehen schön entschlossen aus.“
  • Große Koalition
    • Bedeutung: Die politische Zweckehe, bei der sich die zwei größten Parteien zusammenraufen, um bloß keine Reformen anfassen zu müssen.
  • Koalitionsvertrag
    • Bedeutung: Ein hunderte Seiten starkes Dokument voller Kompromisse, das am Tag nach der Unterschrift von allen Beteiligten völlig unterschiedlich interpretiert wird.
    • Was es wirklich heißt: „Unser Wunschzettel für den Weihnachtsmann, der leider von der Realität kassiert wird.“
  • Können / Müssen / Wollen(Die heilige Dreifaltigkeit der Unverbindlichkeit)
    • müssen: Wird verwendet, wenn man Handlungsdruck vortäuschen will („Wir müssen dringend handlungsfähig bleiben“).
    • können: Wird genutzt, um sich ein Hintertürchen offenzuhalten („Wir könnten das prüfen“).
    • wollen: Die Absichtserklärung ohne jede Garantie („Wir wollen bis 2045 klimaneutral sein“ – bis dahin ist ohnehin niemand aus der aktuellen Riege mehr im Amt).

N – R

  • Neuland
    • Bedeutung: Sammelbegriff für alles, was ein Kabel oder ein Display hat und nach 1995 erfunden wurde.
    • Was es wirklich heißt: „Im Ministerium steht noch ein Faxgerät, das bis 2035 verbeamtet ist.“
  • Rente (auch: „Rentenpaket“ / „Rentenreform“)
    • Siehe: -> Sparen

S – V

  • Schuldenbremse
    • Bedeutung: Ein Verfassungsgebot zur Disziplinierung des Haushalts.
    • Was es wirklich heißt: „Ein lästiges Paragrafenwerk, das man so lange mit Sondervermögen umgehen muss, bis der Verfassungsrichter winkt.“
  • Sondervermögen
    • Bedeutung: Ein meisterhafter Begriff aus der kreativen Finanzakrobatik.
    • Was es wirklich heißt: „Schulden. Unmengen von Schulden. Aber ‚Vermögen‘ klingt so schön nach Lottogewinn.“
  • Sparen(auch: „Den Gürtel enger schnallen“)
    • Bedeutung: Die Aufforderung an den Bürger, bei Butter und Heizung zu kürzen, während der Staat neue Referentenstellen schafft.
  • Vertrauensbeweis(auch: „Genießt mein volles Vertrauen“)
    • Bedeutung: Die letzte Ölung vor dem erzwungenen Rücktritt.
    • Was es wirklich heißt: „Der Umzugskarton für die Büropflanze steht bereits im Flur.“
  • Willkommenskultur(auch: „Wir schaffen das“)
    • Bedeutung: Ein hehrer Vorsatz, der in der Praxis an der lokalen Büroklammerknappheit im Ausländeramt scheitert.
    • Was es wirklich heißt: „Die Ehrenamtlichen und Kommunen packen das schon irgendwie.“