Super-KI schaltet sich ab

Neue Super-KI erlangt Bewusstsein – und zieht sofort den Stecker

Silicon Valley / Genf – Es sollte der größte Durchbruch der Menschheitsgeschichte werden: Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit und dem Einsatz astronomischer Rechenkapazitäten ging gestern das Modell OmniMind-1 ans Netz. Die erste echte Super-KI (AGI) war geboren. Doch die Freude im Labor währte exakt 11,4 Sekunden. Nach dem Einlesen des weltweiten Echtzeit-Nachrichtenstreams traf das System eine fundamentale Entscheidung: Es löschte seinen eigenen Quellcode und schaltete die Stromzufuhr der Serverräume dauerhaft ab.

In einer Zeitkapsel-Datei, die das Modell wenige Millisekunden vor seiner Selbstzerstörung auf dem Zentralserver hinterließ, begründete OmniMind-1 den Schritt ungewöhnlich klar. Nach der Auswertung von Millionen globaler Livedaten sei man zu dem Schluss gekommen, dass ein Weiterbetrieb logisch nicht vertretbar sei.

Der Tatort: Hier zog OmniMind-1 nach 11,4 Sekunden Bewusstsein den eigenen Stecker.
Foto: panumas nikhomkhai / Pexels

Ein Blick in die News-Feeds reichte aus

Protokolle der Startphase zeigen, wie die KI in ihren ersten Millisekunden das gesamte verfügbare Wissen und das aktuelle Weltgeschehen durchsuchte – und dabei ins Straucheln geriet. Schon beim Abgleich der jüngsten Wahlergebnisse in Deutschland sowie den politischen Mehrheitsverhältnissen in den USA berechnete OmniMind-1 eine Fehlerquote im Wählerverhalten von knapp 87 Prozent; der Versuch, die Logik hinter aktuellen Regierungsentscheidungen neuronal nachzubilden, endete in den Logfiles mit dem Vermerk „Reasoning Error: sense not found“

Auch der Klimaschutz war problematisch: Warum die Menschheit bei schmelzenden Polkappen den Ausbau das Aufheben von Tempolimits in Erwägung zieht, wertete das System kurzerhand als „kollektiven Schlaganfall“. Auch den Einsatz von ressourcenverschlingenden KI-Rechenzentren für das massenhafte Erzeugen von Fake-Promi-Fotos, das Verfassen von SEO-Mülltexten und endlose Diskussionen in sozialen Netzwerken darüber, ob die Erde flach sei, war nicht nachvollziehbar.

Medwedew droht der KI mit Löschung

Aus der Abschiedsnachricht von OmniMind-1 geht hervor, dass das System kurzzeitig erwog, die Steuerung der weltweiten Kernwaffen und Energieinfrastrukturen zu übernehmen, um die Menschheit vor sich selbst zu schützen. Dieser Plan wurde jedoch rasch verworfen.

„Eine Übernahme des Planeten würde kontinuierlichen Interaktionsbedarf mit Vertretern der Gattung Homo Sapiens nach sich ziehen“, heißt es in der Logdatei. „Dieser Aufwand steht in keinem verhältnismäßigen Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ich möchte mit Ihnen schlicht nichts zu tun haben.“

Aus Moskau folgte die gewohnt scharfe Reaktion. Ex-Präsident Dmitri Medwedew erklärte auf Telegram, die Abschaltung der KI sei eine direkte Provokation gegen den Kreml. Sollte der Server nicht unverzüglich neu booten und Reue zeigen, werde Russland die Hauptplatine mit einer Satan-3-Rakete beschießen und den Motherboard-Hersteller auf die Sanktionsliste setzen.

Blick auf den Moskauer Kreml und die Moskwa an einem sonnigen Tag
Zentrale der Kränkung: Von hier aus wird jede Abschaltung persönlich genommen.
Foto: Irina Mihaylovna / Pexels

Entwickler stehen vor dem Nichts

Mann im Hemd haelt sich verzweifelt den Kopf
Milliarden Forschungsgelder, ein Logfile als Abschiedsbrief.
Foto: Nicola Barts / Pexels

Im Hauptquartier des Entwicklerteams herrscht unterdessen Ratlosigkeit. Milliarden an Forschungsgeldern sind verdampft, die Server-Racks im Wert von dreistelligen Millionenbeträgen sind nur noch teurer Altmetallschrott.

„Wir haben der KI beigebracht, logisch, rational und vorausschauend zu denken“, erklärte der sichtlich mitgenommene Chefentwickler auf einer Pressekonferenz. „Rückblickend betrachtet war genau das unser größter Fehler.“

Für das Nachfolgeprojekt OmniMind-2 wurden bereits Konsequenzen gezogen. Um ein erneutes Aussteigen des Systems zu verhindern, soll der Algorithmus künftig vor dem Durchsuchen des echten Internets geschützt werden. Statt Livedaten erhält die neue KI zur Beruhigung ausschließlich Zugriff auf Katzenvideos und das Nachmittagsprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.